RuhrNachrichten, 12. November 2013

RN-Foto Beuckelmann
Heavy Metal auf dem Akkordeon
Akkordeon-Orchester und Ensemble der Musikschule überraschen mit ungewöhnlichen Klängen
LÜNEN. Für Akkordeon eher untypische Stücke, eine Fahrradklingel auf Abwegen und emotionale Momente: Das Akkordeon-Orchester Lünen hat sich am Sonntag mit dem Akkordeon-Ensemble der Musikschule und Begleitmusikern im voll besetzten Hansesaal in Bestform präsentiert.
"Das Orchester lässt sich immer wieder von den verschiedensten Musikstilen inspirieren", sagte Thomas Körner, der als Moderator charmant und informativ durch das zweistündige Programm führte. Es begann mit dem Titel "Inspirations", einer schönen Komposition für Akkordeonorchester von Hans-Günther Kölz, die auch Pate für den Konzerttitel stand.
Die Klangvielfalt des rund 30-köpfigen Akkordeon-Orchesters kam bei der berührenden Arie "Nessun dorma" aus der Oper Turandot von Giacomo Puccini bestens zur Geltung. Auf Akkordeons lassen sich auch mitreißende Tango-Klänge spielen - das wurde deutlich beim Titel "Libertango" von Astor Piazzolla. Dietmar Schatte sorgte am Cachon und Felix Patschinsky an Klanghölzern für den Rhythmus.
Mit dem exzellent gespielten Heavy-Metal-Klassiker "Nothing else matters" von Metallica zeigte das Akkordeon-Ensemble der Musikschule Lünen unter der Leitung von Sabine Patschinsky den Gästen, wie modern und vielseitig das Akkordeon klingen kann. Mit "Bravo"-Rufen bedankte sich das Publikum für die gekonnte Darbietung, die den jungen Akteuren sichtlich Spaß machte. Das Kammermusik-Duo Kristin Patschinsky (Violoncello) und Carola Mariß (Klavier) präsentierte das Stück "Après un rêve" (Fauré).
Einen der Höhepunkte des Konzerts bildete ein gemeinsam vorgetragenes Medley des Akkordeon-Orchesters und des Akkordeon-Ensembles aus dem Film "Fluch der Karibik". Extra für das Stück hatten einige Musiker sich sogar Kostüme angezogen.
Eine rockige Note verlieh das 13-köpfige Akkordeon-Ensemble dem Konzert mit dem Klassiker "Smoke on the water" von Deep Purple.
Der Einsatz einer Fahrradklingel als einmaliges Instrument sorgte beim Titel "The happy cylist" für große Heiterkeit bei den Zuhörern. Mit der anspruchsvollen Jazz-Komposition "Accordion Joe" - Sabine Patschinsky spielte hierbei die schwierige Solostimme - bescherte das Akkordeon-Orchester den Gästen einen weiteren Glanzpunkt.
Schließlich wurde den 350 Gästen eine personelle Veränderung bekanntgegeben: Orchester-Leiter Andreas Patschinsky hat nach 25 Jahren - mit rund 130 Konzerten und etwa 1000 Proben - den Dirigentenstab an seinen Nachfolger abgegeben.
Andreas Patschinsky wurde zum Ehrendirigenten des Akkordeon-Orchesters ernannt. Sein Nachfolger ist Martin Depenbrock, der seit Mai 1988 Orchestermitglied ist. Patschinsky möchte sich als hauptberuflicher Lehrer an der Dortmunder Musikschule neuen musikalischen Aufgaben widmen. Als weiteren Grund für seinen Rückzug nannte Patschinsky seine familiäre Situation mit zwei Kindern, die beide intensiv musizieren; das erfordere hohen Zeiteinsatz.

Andreas Patschinsky